Ganz heiß: Als Videojournalist am Vulkan

Am 19. September 2021 brach der Vulkan Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma aus. Wenige Tage später bekam ich die Anfrage vom Schweizer Fernsehen, den Vulkanologen Peter Diethelm dort hin zu begleiten und für die Nachrichtensendung 10vor10 eine Reportage zu machen.

Von einem Nachmittag auf den anderen Morgen musste ich Flug und Details organisieren, reiste über Teneriffa an und dann mit der Fähre weiter. Ich begleitete den Vulkanologen bis unterhalb des Vulkans. Es war mein erster Vulkan, dem ich so nah kam.

Nah dran am Vulkan mit Vulkanologen Peter Diethelm

Das ging nur, weil ich als Videojournalist unauffällig war und an den Checkpoints als sein Assistent durchging. Für Journalisten gab es zu dieser Zeit keine Möglichkeit, in die Nähe des Vulkans zu kommen. Nach zweieinhalb Drehtagen setzte ich mich hin und schnitt die Reportage. Die größte Herausforderung dieser ganzen Produktion war das Überspiel. Die Leitung in der Unterkunft war zu langsam. Erst ein Provider-Wechsel am Telefon löste dann den Datenknoten.

Bauer Juan Carlos holt in echter Drecksarbeit noch raus, was zu retten ist


Vier Wochen später war ich erneut auf der Insel, um über die Bananenbauern zu berichten, die durch den Vulkan und die Lava nur schwerlich mit vielen Umwegen zu ihren Plantagen kommen. Außerdem fehlte den Pflanzen Wasser, weil Leitungen zerstört sind. Auch hier gelangte ich nur deshalb ganz nah in die Plantagen im Sperrgebiet, weil ich als dritte Person im Auto der Bauern mitreiste. Ich musste allerdings feststellen, wie agressiv die Vulkansche sich überall festsetzt. Es dauerte zu Hause Stunden, bis Stativ und Kamera wieder einigermaßen sauber waren und funktionierten.

Faszinierend und zerstörerisch: Der Vulkan Cumbre Vieja


Die bislang letzte Reise führte mich kurz vor Weihnachten auf die Insel. Einen Tag vor meiner Ankunft hatte der Vulkan schlagartig seine Aktivität eingestellt. Ich begleitete den schweizer Gleitschirm-Guide und -Lehrer Peter Frey, wie er die neue Ruhe nutzte, um in der Sperrzone eine Wetterstation zu säubern und zu aktivieren. An einem der Tage reiste ich erstmals mit einer geführten Journalisten-Gruppe ein, stellte jedoch fest, dass meine bisherige Art zu berichten, nämlich in der Rolle des Assistenten – viel mehr Eindrücke brachte als die zeitlich schlecht geplante Tour.

Der Vulkan schweigt, raucht nur noch etwas. Die große Wolke kommt von der kondensierten aufsteigenden Luft (Thermik)

Ziemlich nach hinten ging mein Plan aus, eine Drohne einzusetzen. Für die erste Reportage gelangten mir nachts tatsächlich spektakuläre Aufnahmen. In derselben Nacht stürzte die Drohne aber wegen leeren Akkus ab.

Diese Aufnahme war nur mit der Drohne möglich

Beim zweiten Thema wehte der Wind die Drohne nachts so stark weg, dass ich nicht mehr in der Lage war, sie sicher zu landen. Zwei Totalausfälle waren schmerzhaft, dennoch zeigte sich, dass Drohnen für die Berichterstattung unausweichlich sind. Bei der dritten Reportage verzichtete ich weitgehend auf den Einsatz der Drohne, weil mittlerweile eine Koordination für den Drohnenflug existierte, diese jedoch so komplex und intransparent organisiert war, dass ich keine Freigabe bekam.